Wie zuvor bereits berichtet, habe ich im April 2012 Stammzellen für einen 56-jährigen Mann aus den USA gespendet. In den folgenden zwei Jahren hatten wir die Möglichkeit, anonym per Brief mit dem anderen Kontakt aufzunehmen, die Post wäre dann über die DKMS vermittelt worden. Danach durfte man sich sogar persönlich kennen lernen, wenn beide es möchten. Diese Regelung ist immer abhängig davon, in welchem Land Spender und Empfänger wohnen. Bspw. in Italien ist das Kennenlernen überhaupt nicht erlaubt.

Leider haben sowohl er als auch ich uns in den zwei Jahren nicht beim anderen gemeldet. Umso überraschter war ich, als ich dann im April 2014 diesen Brief von der DKMS in der Hand hielt:

 

DKMS-Brief: Kontaktaufnahme erwünscht

Wow, ich werde also erfahren, wer der Empfänger meiner Stammzellen ist! Am gleichen Tag sendete ich das Formular mit der Zustimmung unterschrieben an die DKMS zurück.

Wenige Tage später erreichte ich gerade das Haus der Tagesmutter, um die Kinder abzuholen, als ich eine Email bekam. Betreff: „Bone Marrow Donor Program“, das englische Wort für Knochenmarkspendeprogramm. Unglaublich. Da ich die Mail nicht zwischen Tür und Angel lesen wollte, steckte ich das Handy wieder in die Tasche und beschloss zu warten, bis ich zu Hause bin.

Der erste Satz der Mail war schon eine Wucht: „Wie sagt man Hallo zu der Person, die einem das Leben gerettet hat?“ Weiter erzählte John (so nenne ich ihn einfach mal, da ich nicht weiß, ob er möchte, dass ich seinen Namen nenne) von seiner Krankheit sowie seiner Familie und schließlich, dass er durch die Stammzellspende den Krebs besiegen konnte, was sehr bewegend war.

Im folgenden Email-Verkehr stellte sich ein unglaublicher Zufall heraus: Obwohl John in Kalifornien wohnt (also ganz im Westen der USA), ist er mit einer Frau verheiratet, die in Aachen geboren ist, also ca. 15 Minuten von meinem Wohnort entfernt … Außerdem schrieb ich ihm, dass wir bereits zwei Monate zuvor einen Flug nach Texas gebucht hatten, um dort Freunde zu besuchen. Texas und Kalifornien sind 5 Flugstunden voneinander entfernt, daher sah ich keine Chance, dass wir ihn mit zwei Kindern besuchen. Nun kam ein weiterer Zufall, nämlich ist sein Heimatort nur eine Stunde Autofahrt entfernt. So kam es, dass John schließlich einen Flug buchte und uns sowie seine Mutter zu besuchen.

Am 21.11.2014 war es dann so weit. 2,5 Jahre nach der Stammzellspende sollte ich ihn treffen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eine wunderschöne Woche in Wichita Falls bei unseren Freunden verbracht und für den Nachmittag hatte John sich angekündigt, um uns abzuholen. Als es dann klopfte und ich die Türe öffnete, traten uns beiden die Tränen in die Augen. Er hatte für die Kids Geschenke mitgebracht, worüber sie sich sehr freuten. Da wir beide viele Fragen hatten, fuhren wir zunächst in ein Kaffeehaus, das uns unsere Freunde uns empfohlen hatten. Dort erzählte John uns noch einmal, wie er die Krankheit überstanden hatte und dass die Stammzelltransplantation die letzte Möglichkeit gewesen sei. Das war wirklich sehr ergreifend für uns beide.

Bei einem Spaziergang sprachen wir über alle möglichen Themen und dass es ja, nebenbei bemerkt, ein unglaublicher Zufall ist, seinen genetischen Zwilling persönlich kennen zu lernen! Zum Abschluss lud John uns zum Essen im Texas Roadhouse ein und fuhr uns wieder zurück. Es war ein wirklich unvergesslicher Tag! Er sagte, dass er sich freuen würde, wenn wir ihn einmal zu Hause in Kalifornien besuchen kommen würden (wobei wir diese Einladung der Kinder wegen wohl erst einmal nicht annehmen können …) und sagte, dass er sich meldet, wenn er das nächste Mal in Deutschland ist. Seitdem haben wir regelmäßig per Email Kontakt.