Ich erinnere mich noch an den Moment, damals, im März 2011. Zwei Striche. Schwanger. Ups! Trotzdem, lange haben wir nicht überlegen müssen, ehe wir uns für das gemeinsame Kind entschieden, obwohl die Voraussetzungen nicht gerade gut waren: Wir waren gerade einmal vier Monate ein Paar, Anja wohnte in Köln und ich 70 km entfernt im Kreis Aachen, wir befanden uns beide noch in der Ausbildung.

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Ab diesem Zeitpunkt wandelte sich das Leben: Wir lebten nicht mehr in den Tag, sondern planten voraus und machten vor allem eins: Viel zu viel Sorgen. Jedes Ziehen im Unterleib wurde sofort von Dr. Google untersucht und natürlich gab es immer gleich die schlimmsten Diagnosen. Ich will nicht wissen, wie oft Anja schlimme Krankheiten hatte oder es dem Kind angeblich nicht gut ging. Wir fuhren auch zwei oder drei Mal in ein Krankenhaus, weil wir Angst um das ungeborene Kind hatten.
Es gab jedoch auch viele tolle Momente: So muss ich mich an das erste Ultraschallbild erinnern, das Anja mir damals noch auf mein Handy schickte. Bei der nächsten Untersuchung war ich dann selbst dabei und es ist wirklich unbeschreiblich, was das für ein Gefühl war.

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Irgendwann haben wir uns dann AngelSounds angeschafft, das ist ein kleines Gerät, das man auf den Bauch legt und mit dem man über Kopfhörer die Herztöne des Babys hören kann. Das haben wir immer gemacht, wenn ich in Köln oder Anja bei mir zu Besuch war. Das Spüren der ersten kleinen Fußtritte war auch sehr schön.
Irgendwann ging es dann los mit den Besichtigungen der Krankenhäuser. Wir sahen uns drei Kreißsäle an und Anja hatte eine genaue Vorstellung davon, was alles geboten werden musste: Geburtswanne, rundes Bett, möglichst schön ausgebautes Familienzimmer, modern und gemütlich sollte es sein. Klar, ich hatte kein Kind zu gebähren, aber musste es wirklich das Vollprogramm mit Sauna und Massage sein? Das können wahrscheinlich nur Frauen verstehen. Wie auch immer, wir gingen zu den drei Besichtigungen, wobei Anja einen Favoriten wählte und wir uns gleich zur Geburt anmeldeten. Übrigens nutzte sie weder die Wanne, noch das runde Kreißbett 🙂
Ab September gingen wir dann einmal in der Woche zum Geburtsvorbereitungskurs in einem Aachener Krankenhaus. Wunderschön, alle bestimmt 10 Jahre älter als wir (Doch stellte es sich als eine nette Truppe heraus und zu einigen haben wir immer noch ab und zu Kontakt). Ich fühlte mich ein bisschen an den Film „Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe“ erinnert, wo im Kurs die lustigsten Charaktere sitzen. Außerdem fand ich es, was die Geburt angeht, nicht nötig. Alles, was man da gelernt hat, kann einem die Hebamme auch vor Ort sagen. Was ich allerdings klasse fand, dass man anderthalb Stunden zu zweit bzw. mit Gleichgesinnten hatte und sich voll und ganz auf das Baby und sich selbst konzentrieren konnte. Von daher ist der Nutzen für die Geburt fraglich, trotzdem würde ich den Kurs sehr empfehlen.
Jans Geburt war auch für mich extrem anstrengend und nervenzerreißend. Zunächst ging es Anja nicht gut, daher wurde die Geburt dann eingeleitet. Das dauerte mehrere Tage und ich stand quasi dauerhaft unter Strom, da ich jederzeit mit einer Geburt gerechnet hatte. Als ich eines Morgens ins Krankenhaus fuhr, sagte die Hebamme, dass Jan noch an diesem Tag kommen sollte. Nachdem ich den ganzen Tag dort war und sich noch nicht viel getan hatte, fuhr ich abends erst einmal nach Hause, um in Ruhe meine Tasche für die Tage im Familienzimmer zu packen. Dabei ließ ich mir Zeit und trank noch einen Kaffee, denn ich vermutete, dass die Nacht lang werden würde. Als ich gerade wieder im Auto saß und mich auf den Rückweg machte (~15 Minuten Fahrt), bekam ich einen aufgeregten Anruf von Anja. Die Fruchtblase war geplatzt, die Presswehen hatten bereits eingesetzt und die Geburt stand unmittelbar bevor … Und ich tingelte irgendwo auf der Bundesstraße lang. Zack, Vollgas, hier komme ich! Zum Glück war nichts mehr los auf den Straßen und ich war schnell am Krankenhaus. Nicht auszudenken, wenn ich die Geburt verpasst hätte 🙂

Bei Toms Schwangerschaft war alles etwas anders. Wir waren beide deutlich entspannter und Anja wusste, was normal ist und was nicht. Alles lief irgendwie nebenbei und war nicht mehr ganz so spannend wie bei der ersten Schwangerschaft. Das kam für Anja oft falsch rüber, denn ich hatte oft einfach keine Lust mehr, den Bauch zu massieren oder Herztöne zu hören. Zusätzlich war natürlich durch Jan der Tagesablauf schon anstrengender und man wollte abends einfach ein bisschen Zeit für sich haben. Ich freute mich auf Tom, hatte aber auch keine Angst und Sorgen mehr.
Nach der Geburt war es aber natürlich so wie erwartet. Tom wuchs trotz Schreiproblemen (wie Anja schon geschrieben hat) recht schnell in die Familie und wir gewannen ihn alle lieb.