Hallo ihr Lieben,

manche von euch haben vielleicht schon gelesen, dass es am Wochenende schlechte Nachrichten für unsere Familie gab. Meine Oma war schon länger schwerer krank. Sonntagabend erhielten wir einen Anruf aus dem Krankenhaus, dass man sie leblos aufgefunden und reanimiert hatte. Sie lag nun auf der Intensivstation, beatmet, sediert und am Leben gehalten durch viele Medikamenten. So ein Leben wollten wir unserer Mutter/Oma/Schwester/Schwiegermutter nicht zumuten und entschieden uns dafür sie friedlich gehen zu lassen. Wir sahen die Reanimation als Geschenk, um sie auf diese Weise beim Sterben begleiten und langsam Abschied nehmen zu können. Sie musste nicht alleine sein. Etliche Stunden saßen wir an ihrem Bett. Zu sechst begleiteten wir sie auf ihrem Weg in den Himmel. Immer wieder wurde geweint, aber auch ganz oft gelacht, denn wir erinnerten uns reihum an lustige Geschichten, die wir mit ihr erlebt hatten oder die sie uns erzählt hatte. Der Humor machte die Situation erträglicher und lenkte uns ab, denn eigentlich hatten alle innerlich Angst vor dem Auftauchen der Nulllinie auf dem Monitor. In den frühen Morgenstunden des 10. März ( 12 Stunden nach Absetzen der Medikamente die den Kreislauf stabilisieren) starb Oma im Kreise ihrer Liebsten.

Sie war nicht allein.

Der Moment war für uns unglaublich traurig und erlösend zugleich. Traurig, weil wir einen nahestehenden und geliebten Menschen verloren haben und erlösend, weil sie endlich nach so vielen Stunden Erlösung gefunden hat und auch wir von dieser schwierigen und kräftezehrenden Situation erlöst waren.

Ich habe das Gefühl, diese schwierige und traurige Erfahrung, in der Nacht des 9./10. März, haben uns Sechs irgendwie ganz nah zusamnen gebracht.

Wie sage ich einem kleinen Kind, dass die Uroma verstorben ist?

Nachdem ich morgens aus dem Krankenhaus wieder Zuhause war, musste ich drüber nachdenken wie ich es Jan sagen soll, dass seine Uroma nun nicht mehr da ist. Ich las ein paar Einträge in Foren im Internet. Es war echt schwer sich richtige Worte zu überlegen. Im Internet las ich, dass man auf keinen Fall sagen soll, dass jemand für immer eingeschlafen ist, dann hätten die Kinder Angst selbst einzuschlafen Abends. Ich grübelte und grübelte über den Tag immer wieder.

Am Abend erfuhr ich dann von Alex, dass er Jan heute morgen gesagt habe, dass die Uroma sehr krank gewesen sei und nun im Himmel ist, so wie Freddie Mercury (Jan ist durch seinen Opa großer Queenfan). Jan reagierte darauf mit: „Das find ich aber blöd“. Ich denke, wenn er nochmal nachfragt, dann müssten wir es ihm nochmal genauer erklären. Aber das ist gar nicht so einfach, den Tod eines Menschen für ein kleines Kind begreifbar zu machen, ist es doch für uns Erwachsene schon kaum zu glauben und zu verstehen, wie sich die Uhr einfach immer weiter drehen kann, als sei nichts gewesen.

Lebe wohl, Oma. Irgendwann werden wir uns wiedersehen.

Anja