Seit mein damaliger bester Freund mit 10 Jahren an Leukämie gestorben ist, habe ich beschlossen, mich so gut wie möglich für den Kampf gegen Krebs zu engagieren und mich 2008 bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderkartei) registriert. Die DKMS hat Merkmale aller Mitglieder gespeichert, die bei einem Match (also einer Übereinstimmung mit den Merkmalen eines Krebspatienten) Leben retten können.

So kam es, dass ich bereits dreimal angeschrieben wurde, da meine Merkmale in einigen Punkten mit denen eines Patienten übereinstimmten. Daher wurde ich gebeten, zu meinem Hausarzt zu gehen und eine Bestätigungstypisierung in Form einer Blutabnahme durchzuführen, damit überprüft werden kann, ob ich wirklich der passende Spender bin. Beim dritten Mal kam es dann tatsächlich zur Stammzellspende. Bereits Ende 2011 wurde ich angeschrieben und gab Anfang 2012 die Blutprobe ab.

Pieks

Nach etwas Briefverkehr mit der DKMS gab es eine Voruntersuchung in einer Kölner Klinik. Dort wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft. Alles war in Ordnung, daher gab man mir ein Medikament (Granocyte) zur Steigerung der Stammzellproduktion mit, das ich in den Tagen vor der Spende jeweils morgens und abends selbst spritzen sollte. Das entpuppte sich zwar beim ersten Mal als Mutprobe, klappte aber fortan bestens. In meinem Bauchfett spüre ich halt nichts 🙂
Am Abend des zweiten Tages bekam ich Rückenschmerzen, von denen die Ärztin bei der Voruntersuchung bereits gesprochen und mir daher prophylaktisch Paracetamol mitgegeben hatte. Man sagt, dass die Produktion der Stammzellen dann besonders gut funktioniert. Im Vergleich dazu, dass ich sonst nie Rückenschmerzen habe, waren sie schon ziemlich stark, wenn auch erträglich.

Am 12. April 2012 war es so weit. Begleitet von Anja, Jan, meiner Mutter sowie ihrem Freund meldete ich mich vormittags in der Klinik an und wurde sehr freundlich vom Personal empfangen.
Es gibt zwei Verfahren, um Stammzellen zu entnehmen. Das eine ist die Knochenmarktransplantation (nicht zu verwechseln mit Rückenmark!), die unter Vollnarkose stattfindet und bei der etwas Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen wird. Das andere Verfahren ist die so genannte periphere Stammzellentnahme, die ähnlich wie eine Dialyse bei Nierenpatienten abläuft. Sprich, das Blut wird an einem Arm entnommen, die Stammzellen werden in einem Gerät „gefiltert“ und schließlich kommt das Blut am anderen Arm wieder in den Körper hinein. Welches Verfahren gewählt wird, entscheidet die behandelnde Klinik des Patienten. Mir wurde damals gesagt, dass die Blutwäsche in ca. 80% der Fälle durchgeführt wird, so auch bei mir. Man hat natürlich jederzeit vor der Spende die Möglichkeit, bspw. die Knochenmarktransplantation auzuschließen, verständlich beim Risiko der Vollnarkose. Aber würde man das Risiko nicht trotzdem eingehen, wenn man wüsste, dass man damit ein Menschenleben retten kann?

Jippie ja jeh, Schweinebacke

Nachdem die Krankenschwester die Nadel am linken Arm vorbereitet und der Professor nach zwei Fehlversuchen dann doch noch die Vene am rechten Arm getroffen hatte, ging es los. Die Prozedur dauerte ca. 3,5 Stunden, in denen ich nur einen Arm bewegen konnte (in einem Arm stecke eine flexible Kanüle, im anderen eine Nadel), ich wurde jedoch bestens versorgt.
Zur Überbrückung der Zeit durfte ich mir aus einer Liste einen Spielfilm aussuchen. Ich entschied mich für Stirb langsam, ziemlich makaber, aber einfach ein Klassiker. Nachdem John McClane das Hotel von den Terroristen befreit hatte, war ich auch schon bald fertig.

Nun durfte und sollte ich gut essen und trinken, damit ich wieder zu Kräften komme. Schon nachmittags wurden meine Stammzellen gezählt und überprüft, ob die Menge ausreichend ist. Am frühen Abend bekam ich dann den Anruf, dass eine erneute Entnahme am nächsten Tag nicht notwendig ist. Klasse, ein freier Tag zu Hause, denn ich war für diese zwei Tage von der Arbeit freigestellt!

Am Tag nach der Spende erfuhr ich von der DKMS, dass es sich beim Empfänger um einen 56-jährigen Mann aus den USA handelt. Ab diesem Zeitpunkt hatten er und ich die Möglichkeit, anonym über die DKMS vermittelt, Kontakt miteinander aufzunehmen. Leider meldete er sich nicht, doch es sollte noch eine Überraschung geben … Dazu mehr in einem anderen Post!