Gestern Abend, ich lag schon im Bett, da sich fühlbar eine Erkältung anbahnt, hatten Alex und Jan noch ein gedankenreiches Gespräch. Jan wird oft abends sehr sentimental und hat viele Gedanken im Kopf, die er dann vor dem Schlafen gehen nochmal ansprechen und geklärt haben möchte. So auch gestern, Jan wollte wissen, warum an seiner und an Toms Zimmertüre ein leuchtend oranges Schild hängt. Alex erklärte ihm, dass das für die Feuerwehr dort hängt, damit diese, falls es mal bei uns brennt, weiß, dass dort ein Kind wohnt und sie ganz besonders gut gucken müssen. Jan fing dann an zu weinen und meinte, dass wenn es bei uns brennt ja alles was wir haben kaputt wäre, auch sein ganzes Spielzeug. Alex konnte ihn beruhigen und erklären, dass man alles neu kaufen kann und es nur wichtig wäre, dass alle Lebewesen aus dem Feuer gerettet werden. Und dass wir außerdem Rauchmelder haben, die uns warnen, wenn es brennt. Jan sagte dann, dass er Angst vor einem Brand habe und abends immer extra lange wach bleibt und aufpasst, dass es bei uns nicht brennt. Herzerweichend!

Ich finde es manchmal ganz schön heftig welche Gedanken sich kleine Kinder schon machen. Welche Ängste sie quälen können. Diese Gedankenrausch-Reihe ist ja dafür da, um unseren Gedanken freien Lauf zu lassen, diese zu teilen und Erleichterung darin zu finden. Und genau das brauche ich jetzt, denn ich erinnere mich da auch an meine eigene Kindheit, auch ich hatte im nachhinein teilweise auch völlig unbegründete Ängste. Zum Beispiel hatte ich immer ein komisches Gefühl mit einem Karussell zu fahren, da ich immer Angst hatte, dass das Karussell nicht genau bei meinen Eltern wieder hält und diese dann vielleicht weg sind. Totaler Schwachsinn, jetzt als Erwachsener weiß man, dass die Eltern niemals ohne ihre Kinder oder den Kindern Bescheid zu geben gehen würden. Aber als Kind war das eine reale Angst. Auch hatte ich ähnliche Gedanken wie Jan, dass ich dachte ich müsste auf meine Familienmitglieder aufpassen. Da gab es tatsächlich eine Phase in der ich nachts aufgestanden bin und alle Räume nach Stolperfallen abgesucht habe und diese beseitigt habe, da ich Angst hatte, dass jemand aus meiner Familie schlaftrunken aufsteht, stolpert und stirbt. Ich finde das sind schon wirklich schwere Gedanken und eine schwere Last, die ich da getragen habe.

Jan ähnelt mir in der Hinsicht sehr. Er ist auch sehr gedankenreich und phantasiereich. Oft merkt man ihm das an, wenn er in seinen Gedanken versunken ist, dann sucht er dafür ein Ventil, welches bei ihm eine bestimmte körperliche Handlung ist.

Jetzt, wo ich so über das Gespräch nachdenke, wird mir nochmal richtig bewusst, was für komplexe Gedankenkonstrukte in diesen kleinen Köpfen umherschwirren. Phantasievolle Welten, die schön sein können aber auch große Ängste und Sorgen auslösen können.

Er tat mir schon leid. Schwere Gedanken sind nicht einfach, aber auch daran wächst er. Und auch ich wachse daran, wenn wir diese als Familie teilen.