Jan und Tom gehen wie ihr ja wisst seit Anfang August in die Kita. Beide haben dort einen 45-Stunden-Platz. In unserer Stadt kann man für ein U3-Kind, so wie Tom, nur einen 45-Stunden-Platz buchen. Eine kleinere Stundenanzahl ist nicht möglich. Da wir hier in der Städteregion Aachen nur ein Kind bezahlen müssen und alle anderen frei sind, hat auch Jan dementsprechend einen 45-Stunden-Platz. Ein Tagesstättenplatz, das bedeutet, die Jungs könnten rein theoretischen von 7:30 bis 16:30 in der Kita bleiben. Das ist eine ganz schön lange Zeit. Und das jeden Tag.
Wenn ich arbeiten muss, bringt Alex die Jungs morgens um 7:30 in die Kita, meist sind sie dann die ersten dort. Ich hole sie dann um ca. 15/ 15:30 Uhr wieder ab. Wenn ich nicht arbeiten muss, dann bringe ich sie morgens meist eine Stunde später. Ich hole sie allerdings dann nicht früher ab, da Tom dort noch einen Mittagsschlaf macht  und Jan auch manchmal.
Jan und Tom sind jetzt seit etwas über zwei Monaten in der Kita und haben sich dort gut eingelebt. Jedoch merken wir an beiden Kindern persönliche Veränderungen. Jan ist unglaublich launisch geworden. Ist oft wütend. Schlägt. Benutzt auffällig häufig Schimpfwörter. Und was mich ganz besonders mitnimmt, ist, dass Jan und Tom sobald sie zu Hause sind, ununterbrochen streiten. Es wird gezankt, geschlagen und geschubst. Die Zwei zusammen sind zur Zeit wie Feuer und Wasser. Das ist wirklich sehr schade.
Bei Tom hingegen merkt man eher positive Veränderungen. Er ist sehr selbstständig geworden, kennt Regeln und befolgt diese. Er ist freundlich und ein richtiger Clown geworden. Auf der anderen Seite ist er aber auch irgendwie traurig, dass er uns nicht mehr so viel sieht. Er ist unheimlich verschmust geworden und möchte abends nicht schlafen, weil er sich nicht von uns trennen möchte. Nachts müssen wir ihn oft zu uns ins Bett holen und dann will er ganz eng kuscheln.

Ich hatte jetzt zwei Wochen frei und da durften Jan und Tom abwechselnd einen Tag kitafrei machen. Jeder hatte mich dann für sich alleine und wir konnten etwas in Ruhe zusammen unternehmen. Ich habe ganz bewusst immer nur ein Kind zu Hause gelassen, um dem elendigen Geschwisterzoff zu entgehen und mich einmal ganz auf nur das eine Kind konzentrieren zu können. Das tat beiden Kinder wirklich sehr gut. Mir auch.

Jan sowie auch Tom sind alleine ganz anders, als mit ihrem Geschwister zusammen. Sind sie zusammen, dann muss ich wirklich oft schimpfen und die Stimmung ist oft angespannt. Wie oben schon beschrieben: zanken, schubsen, anschreien, schlagen – das bestimmt momentan das Verhältnis von Jan und Tom zueinander. Einer heult immer und einer muss meist auf sein Zimmer, um wieder ein bisschen runter zu kommen. Das finde ich unglaublich schade.

In meinen zwei freien Wochen hatte ich 3 Mal Jan und 2 Mal Tom alleine zu Hause. Was soll ich sagen? Es war total schön. Beide Kinder sind alleine wie Lämmchen. Sie sind total ausgeglichen, lieb, spielen ruhig und waren einfach froh und glücklich, die Nummer eins bei mir zu sein.

Wir haben die Zeit alle sehr genossen. Sind lange morgens im Bett liegen geblieben und haben dort sogar gefrühstückt. Das war für beide etwas ganz Besonderes und psssst unser Geheimnis ;). Die Kinder durften sich aussuchen, was es zu Mittag gab. Was bei Jan dann Rabbioli (Ravioli) waren.

 
Jan isst Ravioli

 
Und ein cooles Schlumpfeis.

 
Jan isst Schlumpfeis

 
Wir haben die Zeit zusammen auf unserem Lieblingsspielplatz am Indemann verbracht und waren im Wald spazieren.

 
Indemann

Indemann

Spielplatz Indemann

Spielplatz Indemann

 
Mit Tom habe ich ganz ruhige Tage verbracht. Er wollte eigentlich am liebsten spielen und kuscheln und einfach bei mir sein.

 
Tom im Einkaufswagen Rewe

 
Im Moment denke ich sehr viel nach, warum Jan und Tom sich so viel streiten. Greife ich zu schnell ein? Greife ich zu wenig ein? Sind die Auszeiten im Flur oder Zimmer angemessen? Fühlen sie sich vernachlässigt? Ungerecht behandelt?
Kennt ihr sowas? Ich finde das wirklich traurig. Aber durch die intensiven Stunden alleine mit einem Kind habe ich die beiden nochmal von einer anderen und viel positiveren Seite gesehen und das tat uns gut.
Es stand kein Gestreite im Vordergrund und kein Zurechtweisen. Wir waren einfach fröhlich und glücklich. Es hat sich alles ganz leicht angefühlt. Ich habe die beiden nochmal sehr genossen und festgestellt, wie toll und lieb sie eigentlich sind.
Auch im Berufsalltag möchte ich nun „getrennte Mamazeit“ und „getrennte Papazeit“ für Jan und Tom schaffen. Am letzten Wochenende haben wir das schon ganz gut umgesetzt.