Heute möchte ich gerne etwas über Jans Sensibilität schreiben – Anja hatte es ja im Weekendpost bereits angedeutet.

Am vergangenen Wochenende hat die Empfindlichkeit nämlich dazu geführt, dass wir doch nicht Rabe Socke 2 geguckt haben, obwohl er sich so darauf gefreut hatte. Dabei war eigentlich alles perfekt: Der Film lief im kleinsten der sieben Kinosäle und wir waren komplett allein. Niemand wird sich stören, wenn Jan auf Toilette muss und wenn er herumlaufen will, ist das auch egal. Aber dann kam es irgendwie anders: Jan wurde panisch, als wir den Kinosaal betraten, ist nur mit zu den Sitzen gekommen, weil ich ihn dort hingetragen habe und sagte mir mit Angst in den Augen: „Papa, ich will wieder nach Hause!“
Ich erklärte ihm daraufhin, dass er keine Angst haben muss, weil wir zwei allein sind und weil es nichts anderes als ein großer Fernseher ist. Daher hoffte ich auf Linderung, wenn der Film – oder eher die halbe Stunde Werbung – einmal angefangen hat. So ging ich mit ihm noch vor die Türe, bis der Film losging. Nach Absprache mit dem Personal startete er sogar ein paar Minuten früher und, das fand ich wirklich toll, mit angeschaltetem Raumlicht. Außerdem war der Ton ziemlich leise. Trotzdem fing Jan zu Weinen, zu Schreien und zu Treten an, sodass wir nur zwei Werbespots sahen und das Kino verließen. Meine erste Reaktion war Enttäuschung. Ich war enttäuscht, dass Jan es nicht einmal versucht hatte und dass es in meinen Augen keinen Anlass gab, die eine solche Reaktion rechtfertigte. Enttäuscht, weil ich mich sehr darauf gefreut hatte, mit Jan den ersten Kinobesuch zu erleben.

Dieser Nachmittag hat dazu geführt, dass wir uns nochmal über Jans Hochsensibilität unterhalten haben. Es war irgendwie schon immer so: Wenn andere Kinder Spaß hatten, hatte Jan oft Angst, versteckte sich oder wollte für sich allein sein. So kam es, dass Jan schon anfing zu weinen, weil ein anderes Kind aus der Krabbelgruppe ihn anpackte oder weil ihn jemand ansah, während er im Kinderwagen saß.
Auf der anderen Seite hatte er auch viele schöne Fähigkeiten. Er konnte sich teilweise noch über ein Jahr lang zurückerinnern, welches Auto er von wem geschenkt bekommen hatte. (Und er hat viele Autos! 🙂 ) Jan ist bis heute sehr musikbegeistert, kann sich gut darauf konzentrieren und hat schon ein tolles Rhythmusgefühl.

Was ist eigentlich Hochsensibilität? Laut Wikipedia ist es „ein Phänomen, bei dem Betroffene stärker als der Durchschnitt auf Reize reagieren, diese viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten“. Auch wenn es nicht erwiesen ist, dass sie wirklich existiert und die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, so deutet doch Einiges darauf hin. Wenn ein normal sensibler Mensch bspw. Lärm von einer Baustelle auf der Straße im Hintergrund hört, so wird dieser ganz von allein irgendwann abgeschaltet. Ein hochsensibler Mensch hat diesen „Filter“ nicht bzw. er ist nicht so stark ausgeprägt.

Es kommt immer mal wieder zu Situationen wie der am letzten Wochenende und irgendwie sind wir uns unsicher, wie wir reagieren sollen. Ich sehe das von zwei Seiten: Auf der einen Seite ist es für mich total unverständlich, warum ein Kind an gewissen Sachen keinen Spaß hat und bin entsprechend sauer oder enttäuscht, wenn man sich im Voraus viel Mühe gegeben hat. (Auch wenn ich kein „Ein-Indianer-kennt-keinen-Schmerz-Vater“ bin) Auf der anderen Seite tut Jan mir dann wieder total Leid: Bestimmt hätte er gerne mitgemacht, aber sein Bauchgefühl macht dem armen Kerl einen Strich durch die Rechnung.
Wegen dieser Unsicherheit haben wir bisher immer total unterschiedlich reagiert.
Ich habe mir nun ein paar Artikel durchgelesen und die erste Erkenntnis, die ich gewonnen habe, ist: Es ist nicht damit getan, nur eine andere Reaktion auf die Hochsensibilität zu zeigen, auch im Alltag muss sich einiges ändern. Es soll eine bessere Struktur in das Leben gebracht werden. Zum Beispiel soll möglichst wenig Spielzeug im Kinderzimmer sein und alles soll immer an einem bestimmten Platz verstaut werden. Zugegeben, das sieht bei Jan im Moment etwas anders aus, zumindest was die Menge des Spielzeugs angeht …

Da mittlerweile einige Leute unseren Blog verfolgen, möchten wir gerne fragen, ob wir andere Eltern in der Leserschaft haben, die die Situation kennen. Im Optimalfall bekommen wir ja sogar ein paar wertvolle Tipps 🙂 Für uns ist es zwar nicht ganz so schlimm, aber wir haben das Gefühl, dass wir Jan oft unfair behandeln und dass es einfach besser laufen könnte.