Heute gibt es einen Gastbeitrag von unserer Leserin Julie, über den wir uns ganz besonders freuen. Julie hat nämlich eine ganz ungewöhnliche Lebensart gewählt: Sie reist mit ihrer Familie durch die Welt. Heute berichtet sie darüber, wie sie dazu kam und wie es so klappt.

Ihr findet sie übrigens auch auf Instagram!

 
Ich heiße Julie, bin 34 Jahre alt, Mama von zwei Töchtern und gleichzeitig auf Non-Stop Weltreise. Wie ich mir diesen Traum erfüllt habe, möchte ich euch gerne erzählen, um vielleicht noch andere Mamas für das Reisen zu motivieren.

Viele kennen es. Man steht morgens noch vor Sonnenaufgang auf, hetzt zum Büro und verbringt dort den Großteil seines Tages. Starrt auf den Bildschirm seines Computers, tippt sich die Finger wund und kriegt so langsam Kopfschmerzen. Man ist jeden Tag von den gleichen Leuten umgeben, die Stimmung ist nicht gerade der Knaller und man wünscht sich, dass gleich endlich Feierabend ist. Dann kommt man Abends erschöpft nach Hause und der Tag ist quasi rum. Essen kochen, die Kinder zu Bett bringen, dann seine wohlverdiente freie Zeit mit dem Partner vorm Fernseher verbringen und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Bett.

So geht das Tag ein, Tag aus. Vielleicht nicht für alle Menschen, doch mir ging es jedenfalls so. Doch ist das noch Leben? Finde ich nicht. Ihr merkt wohl, vom Büroleben halte ich herzlich wenig. Ich war schon immer ein Mensch, der raus in die Welt möchte und fremde Länder kennenlernen will. Verborgene Orte entdecken und Abenteuer erleben; das fand ich schon als Kind spannend.

Leider sind wir damals fast nie in Urlaub gefahren, höchstens mal zur Oma aufs Land. 😉

Doch wie sollte ich meine Reisen finanzieren, wenn ich noch keinen Cent selbst verdient hatte?

Wohl oder übel ging ich deshalb nach dem Abi studieren und fand dann auch einen sehr guten Job. Doch jeden Tag dort wurde ich unglücklicher. Ich wollte raus in die Welt und nicht hier zwischen schlecht gelaunten Anzugmännern herumsitzen und 8 Stunden eingepfercht sein. Auf meinem Schreibtisch hatte ich so einen kleinen 365-Tage-Reisekalender stehen, den ich jeden Tag umgeblättert habe. Die wunderschönen Strände darauf verschlimmerten mein Fernweh enorm und irgendwann wollte ich nur eines: Raus hier!

Das tat ich dann auch. Gegen den Willen von Familie und Freunden kündigte ich und war das erste mal so richtig frei. In meinem Freundeskreis konnte mich damals niemand so richtig verstehen, denn ich hätte doch so einen tollen Job und so viel Geld verdient.

Aber ist es das Geld wirklich wert? Werde ich als 90 Jährige gerne sagen: „Also ich bin wirklich froh, dass ich mein ganzes Leben gearbeitet habe, nie richtig frei war, nichts von der Welt gesehen habe, meine Zeit lieber auf Geschäftsreisen und im Büro verbracht habe anstatt mit meiner Familie und nie richtig glücklich gewesen bin.“, wenn ich auf mein Leben zurückblicke? Wohl eher nicht, oder? Denn was hat man von dem Geld, wenn man sowieso nur jeden Tag arbeitet und vielleicht mal zwei, drei Wochen im Jahr Urlaub hat und dort dann einmal für diese kurze Zeit so richtig frei ist?

Möchte man nicht in der Zeit, in der man noch jung ist, etwas erleben und was vom Leben haben? Ich konnte mir niemals vorstellen bis ich 65 Jahre bin zu arbeiten, um dann erst als Rentnerin mit Knieproblemen und Rückenschmerzen raus in die Welt zu gehen. Denn dann ist es zu spät. Die Kinder sind längst erwachsen, haben vielleicht schon selbst Kinder, und man selber ist alt.

Warum nicht jetzt leben?

Nach vielen wunderschönen Reisen, unter anderem nach Australien, Indien und den USA, lernte ich schließlich Brian kennen, den Papa meiner Mädels und ebenfalls ein Reisefreak. 😉

 
Elefant

 
Kurze Zeit später kam dann die erste Maus zur Welt, ein Jahr später die zweite.

Doch wie war es dann mit zwei kleinen Kindern zu reisen? Ich kann nur sagen: Wunderschön. Manchmal anstrengend, aber wunderschön.

 
Kind in der Wüste

 
Doch wirklich gestresst war ich nie. Trotz den üblichen schlaflosen Nächten als frisch gebackene Mutter war ich nie wirklich fertig, wohl gerade deshalb, weil die schönen Orte mich gar nicht gestresst sein lassen konnten. Wer ist schon am sonnigen Strand mit Meeresrauschen gestresst? 😉 Wenn einem einmal alles zu viel wurde, musste man nur vor die Tür gehen und nach ein paar Minuten war man wieder total aufgeblüht.

 
Gebirge

 
„Reisen ist gesund.“ Den Satz hat mir mal ein älterer Herr in einem kleinen Cafe in Indonesien gesagt und ich habe ihn bis heute nicht vergessen, weil er einfach zu 100% stimmt.

Seitdem ich den Arbeitsstress hinter mir gelassen habe, bin ich nicht nur viel glücklicher. Ich habe mich durch die vielen Eindrücke und verschiedenen Kulturen weitergebildet, bin viel offener gegenüber Menschen geworden, habe gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und nun den Sinn meines Lebens gefunden. Ja ich weiß, das hört sich etwas kitschig an, ist aber wahr. 😉

 
Meer

 
Ich kann jeden Menschen nur ermutigen, spontan in ein fremdes Land zu fliegen und die Dinge einfach mal auf sich zukommen zu lassen.

So sah meine erste Reise auch aus. Die anfängliche Angst war nämlich total unbegründet. Ich hätte es viel mehr bereut, es nicht gemacht zu haben.

Meine beiden Mädels lieben das Reisen. Klar, sie kennen es ja auch nicht anders, könnte man meinen. Doch auch jedes andere Kind, das neue Länder kennenlernt, wird es lieben, da bin ich mir sicher.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie wir das mit der Schule regeln. Kendall, meine große Tochter, geht seit letztem Sommer in die erste Klasse. Aber nicht in eine staatliche Schule, sondern sie wird zu Hause unterrichtet. „Homeschooling“ nennt sich das und sicher haben viele den Begriff schon einmal gehört.

Zuerst war ich mir unsicher, ob das alles so gut wäre, schließlich gibt es keinen richtigen Lehrer und alles läuft über den Computer. Doch mein 6 monatiges Fazit ist, dass Homeschooling meiner Meinung nach für uns sogar noch ein bisschen besser ist als die reguläre Schule. Das Kind ist nicht von 30 Kindern umgeben, sondern lernt für sich und kann sich so individuell weiterbilden, was zudem viel schneller geht. Die Lehrer sind neben Online-Videos und speziell für Homeschooling angefertigte Pläne die Eltern, was die Bindung zum Kind erhöht und man so auf individuelle Probleme des Kindes eingehen kann. Zudem ist man extrem flexibel, was für uns der eigentliche Grund für das Homeschooling war.

Unsere kleine Tochter Mackenzie wird dieses Jahr zum Sommer ebenfalls in die erste Klasse kommen.

Für die Grundschuljahre werden wir auf jeden Fall damit weiter machen, die Zeit danach lassen wir ganz entspannt auf uns zu kommen.

Wer jetzt denkt, dass wir gar nicht arbeiten und das ganze Jahr nur auf Achse sind, liegt aber falsch. Durch irgendwas muss man sein Leben ja finanzieren, ich kann ja kein Geld drucken. 😉 Vor einigen Jahren haben wir uns selbstständig gemacht, was super funktioniert. Der Weg dahin war aber alles andere als einfach und wir waren schon oft kurz davor aufzugeben, aber schließlich hat es dann doch alles so funktioniert, wie es sollte.

Und das ganze Jahr reisen ist auch nichts. Irgendwann muss man sich auch von den vielen Eindrücken „erholen“. Letzten Monat sind wir nach Hause nach Deutschland gekommen und zu Hause sein ist auch mal ganz schön, finde ich. 🙂 Familie und Freunde will man schließlich auch einmal wiedersehen. Auf Reisen lernt man zwar viele Leute kennen und oft entstehen daraus wahre Freundschaften, aber die richtige Familie wartet immer zu Hause.

 

Ich hoffe, ich konnte den einen oder anderen ermutigen, einmal raus in die Welt zu gehen und zu reisen. Man muss ja nicht gleich seinen Job kündigen; für ein paar Tage oder Wochen in ein anderes Land zu gehen ist auch eine wertvolle und schöne Erfahrung. Vielleicht ist Reisen auch gar nicht das, was der eine oder andere gerne machen möchte. Darum geht es auch gar nicht, denn jeden Menschen machen andere Dinge glücklich.

 
Ein Fluss

 
Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass Arbeit nicht alles ist. Es ist notwendig, um sein Leben zu finanzieren, klar. Aber lebt man, um zu arbeiten oder arbeitet man, um zu leben? Hoffentlich wohl das letztere. 🙂

Das Leben genießen, die Zeit mit Familie und Freunden und glücklich sein; das ist es, worauf es meiner Meinung nach im Leben ankommt. Wenn jetzt jemand merkt, dass er mit seinem Lebensstil nicht glücklich ist, dann sollte er sein Leben vielleicht einmal umkrempeln. Zu spät ist es nie.

Am Ende bereut man die Dinge, die man nicht gemacht hat, denn Zeit ist wertvoll. Wertvoller als alles Geld der Welt, denn Zeit kann man nicht kaufen.

Wenn jemand noch Fragen zu unseren Reisen oder ähnlichem haben sollte, lasst es mich gerne wissen. 🙂

Alles Liebe, Julie