Im September 2013 sind wir mit Jan das erste Mal in die USA (New Jersey, New York und Miami) gereist. Vom Flug nach Mallorca im Jahr 2012 wussten wir, dass Jan im Flugzeug keine Angst und auch sonst keine Probleme hat. Trotzdem machten wir uns so einige Gedanken. Was ist wenn er nur schreit, nicht schlafen kann, nicht auf seinem Platz sitzen bleiben will??? Die Angst war im Nachhinein relativ unbegründet. Jan verkraftete den Flug ganz gut und wir damit ebenfalls.

Im November 2014 besuchten wir Freunde in Texas und wieder stand uns ein langer, sogar noch längerer Flug als im Vorjahr bevor. 11 Stunden sollte der Hinflug dauern von Frankfurt am Main nach Dallas/Fort Worth. Dazu kam noch eine Anfahrt von 2-2,5 Stunden nach Frankfurt und nochmal eine 2 stündige Fahrt von Dallas zum Zielort. Und diesmal hatten wir ja noch einen kleinen Zwerg im Schlepptau.

Trotzdem wagten wir die Reise, die wir bereits im Februar 2014 gebucht hatten, mit gemischten Gefühlen. Was wir nämlich bei der Buchung des Fluges noch nicht wussten, entpuppte sich Tom als Schreikind (davon demnächst in einem anderen Posting mehr).

Unsere Panik vor dem Flug wuchs mit jedem Tag wo der Abflug näher kam. Wir hatten uns die schlimmsten Szenarien ausgemalt: Tom schreit bestimmt den ganzen Flug und jeder wird uns düstere Blicke zuwerfen. Diese Rabeneltern, wie können die nur. Hallo??? Können sie dieses furchtbare Geräusch mal abstellen, wir wollen schlafen, fernsehen, einfach RUHE!!!!

Mit dieser Vorstellung im Kopf und der Gewissheit, hier können wir erst wieder in 11 Stunden aussteigen, gingen wir also an Bord des Lufthansa Airbus. Wir hatten natürlich alles gut geplant und Sitze in der ersten Reihe hinter den Kabinen gebucht. Dort ist nämlich mehr Beinfreiheit, sodass die Kinder auch auf dem Boden spielen konnten und an der Kabinenwand vor den Sitzen kann ein Babybett eingehakt werden. Kinder bis ca 1 Jahr können dort während des Fluges schlafen. Auch hatten wir im Handgepäck einiges an Proviant (Bananen, Milchbrötchen, Fruchtpüree, Grießbrei und Gläschen für Tom) für die Zwerge, denn Tom hatte keinen eigenen Sitzplatz und somit bekam er an Bord auch kein Menü. Außerdem gab es nur 2x Essen auf dem ganzen Flug und so waren wir froh, noch etwas dabei zu haben. In der anderen Tasche befand sich ausschließlich Spielzeug, darunter Autos, Duplo Tiere, Bücher, Maltafel, Kuscheltiere und Toms heißgeliebte Schranke aus dem Parkhaus, was auch immer daran so toll ist, aber sie musste mit.

Der Flug verlief Gott sei Dank ruhig. Wir mussten die Kinder zwar beschäftigen, aber was erwartet man auch anderes. Natürlich ging mal der ein oder andere Blick rüber zu der Familie, die mit 14! Erwachsenen und einem, ich wiederhole, mit einem Kind reisten. Da konnten sich die Eltern mal gepflegt 1-2 Spielfilme mit Überlänge hintereinander ansehen. Während unser Bildschirm da nur zur Deko hing.

Etliche Kilometer haben wir gemacht, um Tom zum Mittagsschlaf zu bewegen. Schuckel hier, schuckel da. Nach gefühlten 3 Stunden ist er dann auf unserem Arm eingenickt. Wir schafften es sogar, ihn ohne größeres Tamtam dann im Babybettchen abzulegen. Doch die verführerische Ruhe war schnell vorbei. Denn kaum ließen wir uns in die Sitze sinken, musste jemand unbedingt bei offener Klotür die Toilettenspülung betätigen *doppelaugenroll*. Wer schonmal geflogen ist, weiß wahrscheinlich wovon ich rede. Dieser Sound, wo man denkt, er könnte einen 2 Meter Mann einfach so mit einem Happs einsaugen.

Was solls, dann muss dieser Jemand jetzt ganz andere ohrenbetäubende Sounds über sich ergehen lassen, arrrg.

Irgendwie bekamen wir die Flugzeit aber gut um und waren froh, als wir gelandet waren.

Am Flughafen ging dann erstmal das Drama weiter. Unser Kinderwagen war mal wieder beschädigt worden beim Transport. 2 Flüge mitgemacht und 2x kaputt. Diesmal fehlte  „nur“ eine der Radkappen. Zum Glück wird der Schaden von der Fluggesellschaft beglichen.

Also erstmal zur Immigration, wo wir vorher noch Zettel mit Bildern und unseren Fingerabdrücken ausdrucken mussten (diese werden noch eine wichtige Rolle spielen) . Danach ging es zur Einreisebefragung. Alles halb so wild. Zack, Gepäck und die Babyschale am Fließband holen und dann ab zum Service-Schalter um den Schaden aufnehmen zu lassen. Das dauerte und dauerte und dauerte. Ich drehte und drehte und drehte gefühlt 100 Runden mit den müden Kindern im Kinderwagen. Als ENDLICH alles geklärt war, konnten wir weiter zum Zoll.

Erinnert ihr euch noch an die Ausdrucke von vorhin? Genau diese brauchten wir jetzt. Wo sind sie? Wer hat sie? Wildes Suchen beginnt. Wer hat sie verloren? Wir fanden sie nicht mehr. Also mussten wir zur Zollkontrolle in einen gesonderten Bereich. So müssen sich Schwerverbrecher fühlen. eieiei. Ich war extrem gereizt und genervt, immerhin war es bei uns Zuhause schon mitten in der Nacht, die Kinder müde und quengelig. Zum Glück wurde nicht unser gesamter Kofferinhalt untersucht, sondern lediglich in unseren Reisepässen nach dem Vorhandensein des Landesstempels geguckt. Hätte das nicht auch der andere Zollbeamte am Schalter für „unauffällige Reisende“ machen können? *augenroll*.

Vor dem Flughafen mussten wir nun auf den Bus warten, der uns zum Autoverleih bringen sollte. Der Bus kam schnell, doch fanden wir mit unserem bisschen Gepäck, von zwei großen und einem kleinen Koffer, einem Rucksack, einen Beutel mit Bauchtrage drin, zwei Kindersitze und einem Kinderwagen, leider keinen Platz darin. Na gut, warten wir eben noch länger bei -2°C und Schneefall auf den nächsten Bus. Dieser kam ca. 10 Minuten später und brachte uns zur Autovermietung. Es gab dort keine Gepäckwagen, also schleppten wir, zwei große und einen kleinen Koffer, einen Rucksack, einen Beutel mit Bauchtrage drin, zwei Kindersitze und einen Kinderwagen, zu zweit zum Schalter von Avis. Jetzt kann nichts mehr passieren, gleich sitzen wir endlich im Auto….

…Ooooder auch nicht! „Nein, tut mir Leid, auf ihre Kreditkarte ist kein Wagen verbucht. Haben Sie vielleicht eine Buchungsnummer?“, sagte die nette Dame am Schalter. Ja, die hatten wir. „Das Auto wurde auf den anderen Flughafen in Dallas, Dallas Lovefield, gebucht. Ich könnte Ihnen das umbuchen. Kostet aber!“ Ok, alles egal. Hauptsache wir haben ein Auto. Und was für eins. Ein schicker weißer Dodge Van mit Ledersitzen. Mittlerweile war es schon später Nachmittag (Ortszeit) und es begann zu dämmern. Also los. Im Flughafen hatten wir keinen Zugang zum WLAN gefunden, sodass wir unsere Freunde nicht erreichen konnten. Wie sich nachher rausstellte hatten sie schon Angst, dass wir spurlos verschwunden sind. Erst recht, als sie irgendwann bei der Autovermietung anriefen und die Mitarbeiter ihnen mitteilten, dass der reservierte Wagen natürlich NICHT abgeholt wurde (hatten ja dann einen anderen).

Doch irgendwann gegen 19 Uhr, glaub ich, kamen wir an und die Freude und Erleichterung war riesen groß.

Die Urlaubserlebnisse vor Ort bleiben an dieser Stelle unter uns.

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Der Rückflug war weit aus weniger aufregend. Wir flogen über Nacht und die Kinder schliefen die meiste Zeit. Tom im Bondolino und im Bettchen. Jan auf dem Boden.

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Das einzig aufregende war, dass mein Vater nicht mehr wusste, wo am klitzekleinen Frankfurter Flughafen sein Auto stand. 😉

*Alex meint ich solle noch die Geschichte mit den Indern erzählen. Das wäre auch wichtig ;). Also mach ich das mal. Einige Zeit vor Boardingtime trudelten die Fluggäste, darunter auch wir, am Gate ein und reihten sich in ihre Reihen ein. Plötzlich mit Pauken und Trompeten rollte die Rollstuhlprozession ein. Ungelogen 30 Rollstühle mit Indern die über Deutschland nach Indien reisen wollten, wurden einer nach dem anderen in einer riesen Schlage in die Reihe für Rollstuhlfahrer geschoben (Wer noch nie geflogen ist, Menschen mit Handicap dürfen als erstes das Flugzeug betreten). Keinesfalls alte Leute, sondern Mütter mit Kindern, Männer in bestem und jungem Alter. Die meisten davon haben wir vorher noch lustig über die Gänge des Flughafens schlendern sehen. Als einer Mutti das Kind weglief und sie in Windeseile aus ihrem Rollstuhl sprang um hinterher zu flitzen, kamen sich die Boardbegleiter ganz schön veräppelt vor. Keiner sagte was, alle dachten nur. 

*Alex, die Story mit der Toilette lasse ich aber weg, oder?