In diesen Tagen ist das Thema Flüchtlinge sicher präsent wie lange nicht mehr. Es haben sich viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern auf den Weg nach Europa – besonders nach Deutschland – gemacht, da sie hier gerne sicher sein möchten vor Tod und Terror. Dafür haben sie alles aufgegeben, was sie hatten. Tausche Freunde, Familie, Haus und Besitz gegen Leben.

Ich stelle mir immer vor, wie es mir gehen würde, wenn wir einmal so verzweifelt wären, dass wir uns auf den Weg in ein uns unbekanntes Land machen müssten. Wahrscheinlich wäre es sehr schlimm. Tage und Wochen mit zwei Kindern unterwegs, die durch den Krieg traumatisiert und durch die Reise geschwächt sind. Die dauerhafte Angst, dass man auf der Reise erwischt wird oder sie einfach nicht übersteht, das eigene Kind vielleicht in’s Wasser geworfen wird, weil es zu laut schreit. Und immer mit der Ungewissheit lebend, dass vielleicht alles für die Katz‘ ist und man wieder nach Hause geschickt wird. Am Ende kommt man dann in einer überfüllten Notunterkunft an, in der Menschen aus allen Nationen durcheinandergewürfelt leben und in denen immer so viel Gewusel ist, dass man keine Ruhe findet. Trotzdem ist es immer noch besser als in der Heimat.

Besonders schlimm ist für mich jedoch der Hass, der immer häufiger hervorgebracht wird. Seit Beginn der Pegida-Märsche im vergangenen Winter ist die Hetze meiner Meinung nach besonders schlimm geworden und es werden Dinge gesagt, die man vor einiger Zeit entweder überhaupt nicht oder nur mit vorgehaltener Hand gesagt hätte. Einfach nur, weil man Angst vor „den Fremden“ hat. Den Stimmungsmachern kommen hier soziale Netzwerke wie zum Beispiel Facebook sehr gelegen, da sie dort ihre Propaganda einfach verbreiten können. Dass die meisten Fakten im falschen Licht dargestellt oder sogar frei erfunden sind, ist egal, da sehr viele Leute die entsprechenden Beiträge nicht hinterfragen.

Mein Standpunkt in der Flüchtlingsfrage war eigentlich schon immer klar. Seit meiner Kindheit bin ich großer Fan von Die Ärzte, die sich ja bekannterweise gegen Nazis einsetzen und genau so war es bei mir auch. Außerdem haben meine Eltern mit Sicherheit einen großen Teil durch ihre Erziehung beigetragen. So erinnere ich mich gut daran, dass wir zu Weihnachten in eine Unterkunft von Asylbewerbern gefahren sind, um ihnen Spielzeug zu schenken. Das sind wirklich tolle Erinnerungen und es hat sich schon als Kind gut angefühlt.

Aus diesem Grund habe ich am Anfang der Woche mit Anja besprochen, dass wir bald einen Ausflug mit einer Flüchtlingsfamilie unternehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass vielen Kindern sehr langweilig ist und sich auch die Eltern über jede Abwechslung freuen würden. Außerdem soll es einfach eine Geste sein, die zeigen soll, dass es auch genügend Leute gibt, die Flüchtlinge willkommen heißen.
In unserer Stadt gibt es eine Stelle, die die Koordination bei Spenden und Anfragen übernimmt. Es ist nicht gestattet, selber zur Unterkunft zu fahren und Kontakt aufzunehmen, ohne sich vorher dort gemeldet zu haben. Das mag auf der einen Seite bürokratisch klingen, auf der anderen Seite ist so aber gewährleistet, dass die Spenden so gut und fair wie möglich verteilt werden.
Heute kam die Bestätigung, dass wir den Tagesausflug machen dürfen – ohne Auflagen. Leider ist es nicht gestattet, mit der Familie in das benachbarte Ausland (Niederlande, Belgien) zu fahren. Verständlich, aber schade. In unserem Fall hat die Ansprechpartnerin sogar eine Familie ausgesucht, deren Kinder vom Alter her zu unseren passen. Es handelt sich um eine syrische Familie, die wohl nicht so gut Englisch spricht. Dann muss es halt mit Händen & Füßen gehen. Wir haben auch ein „Ohne-Wörter-Buch“, in denen mehrere hundert Zeichnungen sind, auf die man einfach zeigen kann. Wie auch immer – am 13. September ist es so weit und wir sind schon ganz aufgeregt. Wir werden euch bestimmt auf dem Laufenden halten!

Gerne machen auch wir auf die Aktion „Blogger für Flüchtlinge“ aufmerksam. Diese ruft dazu auf,
Geld zu spenden
Sachspenden zu leisten
Hilfe vor Ort anzubieten
– einfach der Hetze auf der Straße, im persönlichen Umfeld und in sozialen Netzwerken Paroli zu bieten. Auch wenn es manchmal schwer ist und vergebens scheint.

Helft und fühlt euch gut dabei!

In diesem Sinne wünsche wir euch noch einen tollen Abend!
Alex & Anja